Bug & Heck Atlas der Kreuzfahrt
Atlas-Werkzeuge

Glossar

Die wichtigsten maritimen Begriffe und Abkürzungen, die im Atlas vorkommen — knapp erklärt, mit Querverweisen. 46 Einträge.

A

AIS Automatic Identification System

Funkbasiertes Identifikations- und Positionssystem. Viele SOLAS-pflichtige Schiffe, darunter internationale Fahrgastschiffe und Frachtschiffe ab 300 BRZ, senden alle paar Sekunden ihre Position, Geschwindigkeit, Kurs und Identität (MMSI) per UKW. Empfangen wird das von Antennen an Land (terrestrisches AIS, Reichweite ~40 sm) und von Satelliten (S-AIS, global).

Siehe auch: MMSI · IMO-Nummer · SOG · SOLAS

AIS-Navigationsstatus

Zustand-Code im AIS-Telegramm: 0 = unterwegs mit Maschinenkraft, 1 = vor Anker, 5 = festgemacht, 8 = unterwegs unter Segeln, 15 = nicht definiert. Wird vom Schiff manuell gesetzt — nicht immer aktuell.

Siehe auch: AIS

Anlauf Port Call

Ein Aufenthalt eines Schiffs in einem Hafen — von Ankunft (arrival) bis Abfahrt (departure). Bug & Heck erkennt Anläufe automatisch: ein Schiff im Hafen-Radius mit Geschwindigkeit unter 3,5 kn, mindestens 15 Minuten Verweildauer.

Siehe auch: Hafenpolygon

Azipod Azimuth Pod

Schwenkbarer elektrischer Pod-Antrieb statt fester Welle und Ruder: ein E-Motor sitzt in einer drehbaren Gondel unter dem Heck und kann den Schub in jede Richtung lenken. Macht das Schiff manövrierfähiger (Wendung fast auf der Stelle), spart Treibstoff durch effizientere Strömung. Marke des Herstellers ABB; im Cruise-Bereich faktisch Standard für Neubauten.

Siehe auch: Bug- und Heckstrahlruder

B

BRZ Bruttoraumzahl

Dimensionslose Maßzahl für das gesamte umschlossene Volumen eines Schiffs (Aufbauten + Rumpf). Wird seit 1982 für Tonnage-Gebühren in Häfen und Kanälen verwendet. Bei Cruise-Schiffen typisch zwischen 30.000 (kleines Expeditionsschiff) und 250.000 (Icon-Klasse). Englisch: Gross Tonnage (GT).

Siehe auch: DWT · NT

Bug- und Heckstrahlruder Bow/Stern Thruster

Quer in den Rumpf eingebaute Propeller, die seitlichen Schub erzeugen. Erlauben dem Schiff, sich ohne Schlepperhilfe an die Pier zu schieben. Moderne Cruise-Schiffe haben meist mehrere Bug- und Heckstrahlruder.

Siehe auch: Azipod · Schlepper

C

COG Course Over Ground

Kurs über Grund — die tatsächliche Bewegungsrichtung relativ zum Boden, in Grad (0° = Nord, 90° = Ost). Kann vom Bug-Heading abweichen, wenn Strömung oder Wind das Schiff versetzen.

Siehe auch: SOG · Heading

Crew-Ratio

Verhältnis Crew zu Passagieren, z.B. 1:2,5. Maß für Service-Niveau: Luxus-Reedereien wie Silversea oder Seabourn liegen bei ~1:1,5, Premium (Cunard, Holland America) ~1:2, Mass-Market (Royal Caribbean, MSC) ~1:2,8 bis 1:3,2.

Siehe auch: Doppelbelegung · Space-Ratio

D

Doppelbelegung Lower Berth

Standardbelegung der Kabinen mit zwei Personen — die „lower berths". Die offiziell ausgewiesene Passagierkapazität (z.B. 6.988 bei der Wonder of the Seas) bezieht sich darauf. Bei voller Belegung (drei oder vier Personen pro Kabine via Sofabetten und Pullman-Betten) kann die tatsächliche Zahl deutlich höher liegen.

Siehe auch: Space-Ratio · Crew-Ratio

DWT Deadweight Tonnage

Tragfähigkeit in Tonnen — wieviel das Schiff zusätzlich zu seinem Leergewicht an Ladung, Treibstoff, Wasser, Crew und Vorräten tragen kann. Bei Frachtern die zentrale Kennzahl, bei Cruise-Schiffen weniger relevant, aber Standard-Feld in Schiffsregistern.

Siehe auch: BRZ · NT

E

Eigner Registered Owner

Die juristische Person (oft eine Tochtergesellschaft oder ein Special Purpose Vehicle), die das Schiff in das nationale Schiffsregister eingetragen hat. NICHT mit der Reederei zu verwechseln — AIDA Cruises etwa fährt unter der AIDA-Marke, aber alle AIDA-Schiffe gehören der italienischen Costa Crociere SpA.

Siehe auch: ISM-Manager · Reederei

Equasis

Kostenfreie Online-Schiffsdatenbank, gemeinsam betrieben von der Europäischen Kommission und mehreren Flaggenstaaten. Liefert Eigner, ISM-Manager, Klassifikationsgesellschaft und Inspektionshistorie pro IMO. Bug & Heck reichert seine Schiffsprofile damit an.

F

Flaggenstaat Flag State

Das Land, in dem das Schiff registriert ist und unter dessen Flagge es fährt. Bei Cruise-Schiffen oft Bahamas, Bermuda, Malta oder Panama — offene Register mit günstigen steuerlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen. Schiffsname und IMO bleiben bei Flaggenwechsel, MMSI ändert sich.

Siehe auch: MMSI · Eigner

G

GT Gross Tonnage

Englische Bezeichnung für → BRZ. Im internationalen Schiffsregister-Vokabular Standardbegriff.

Siehe auch: BRZ

H

Hafenpolygon

Geografisches Polygon (oder Punkt + Radius), das ein Hafengebiet umfasst. Bug & Heck verwendet einen kreisförmigen Radius zwischen 2 km (kleine Inselhäfen) und 5 km (Mega-Häfen wie Miami oder Hamburg).

Siehe auch: Anlauf

Heading True Heading

Bug-Richtung in Grad — wohin das Schiff zeigt. Bei stillem Wasser identisch mit COG, bei Strömung oder Drift weicht sie ab. Wird optional über AIS gesendet (Wert 511 = nicht verfügbar).

Siehe auch: COG

Heimathafen Port of Registry

Der Hafen, der am Heck unter dem Schiffsnamen steht — formal der Eintragungsort im Schiffsregister. Hat in der Praxis nichts mit den tatsächlichen Anlaufpunkten zu tun (ein Schiff mit Heimathafen Nassau kann sein Leben lang im Mittelmeer fahren).

Siehe auch: Flaggenstaat

HFO Heavy Fuel Oil

Schweröl — der traditionelle, billige aber stark schwefelhaltige Schiffstreibstoff. Seit IMO 2020 weltweit auf max. 0,5 % Schwefel begrenzt (in Sonderzonen 0,1 %). Schiffe nutzen entweder schwefelarmes MGO oder fahren weiter HFO mit → Scrubber.

Siehe auch: LNG · Scrubber · IMO

I

IMO International Maritime Organization

UN-Sonderorganisation mit Sitz in London. Verantwortlich für globale Schifffahrtsregeln wie → SOLAS (Sicherheit), MARPOL (Umwelt) und STCW (Crew-Ausbildung). Vergibt über externe Verwalter die → IMO-Nummern. Nicht zu verwechseln mit der Nummer selbst.

Siehe auch: IMO-Nummer · SOLAS

IMO-Nummer International Maritime Organization

Eindeutige siebenstellige Identifikationsnummer eines Schiffs, vergeben durch den offiziellen IMO-Nummernverwalter im Auftrag der UN-Organisation IMO. Bleibt das ganze Schiffsleben lang gleich — auch bei Umbenennung, Verkauf oder Flaggenwechsel. Bei Cruise-Schiffen typisch im Bereich 9xxxxxx (gebaut nach 2000).

Siehe auch: MMSI · IMO

ISM-Manager International Safety Management

Die Firma, die technisch und sicherheitsbezogen für den Schiffsbetrieb verantwortlich ist — zertifiziert nach dem ISM-Code der IMO. Kann identisch mit dem Eigner sein, oder ein eigenständiger Dienstleister wie V.Ships oder Columbia Shipmanagement.

Siehe auch: Eigner

K

Kiellegung Keel Laying

Symbolischer Beginn des Schiffsbaus. Heute meist eine reine Zeremonie, weil moderne Werften die Sektionen schon vorher parallel bauen. Das Datum wird offiziell im Schiffsregister vermerkt — es markiert den Stichtag für viele rechtliche und technische Anforderungen.

Siehe auch: Taufe · Trockendock

Klassifikationsgesellschaft Class Society

Unabhängige Prüforganisation, die das Schiff baulich und technisch nach eigenen Regelwerken klassifiziert und periodisch inspiziert. Ohne gültige Klasse bekommt ein Schiff keine Versicherung. Die großen IACS-Mitglieder: Lloyd's Register (UK), DNV (Norwegen/Deutschland), RINA (Italien), Bureau Veritas (Frankreich), ABS (USA), ClassNK (Japan).

Siehe auch: Schiffsklasse

Knoten kn

Geschwindigkeitseinheit in der Seefahrt: eine Seemeile pro Stunde (1 sm = 1.852 m, also 1 kn ≈ 1,852 km/h). Cruise-Schiffe fahren typisch 18–22 kn auf See; volle 30 kn sind seltene Maxima.

Siehe auch: SOG

L

Liegeplatz Berth

Konkreter Anlegepunkt im Hafen — Pier-Position mit Nummer (z.B. „Berth 5", „Pier H"). Größere Cruise-Häfen haben mehrere parallele Liegeplätze; manchmal müssen Schiffe auf → Reede ausweichen, wenn alle belegt sind.

Siehe auch: Reede · Tendering

LNG Liquefied Natural Gas

Bei −162 °C verflüssigtes Erdgas, als Schiffstreibstoff seit 2018 in der Cruise-Industrie etabliert (AIDAnova als Pionierschiff). Senkt Schwefel- und Feinstaub-Emissionen drastisch gegenüber → HFO. Lagerung in isolierten Tanks; LNG-Bunkern braucht spezielle Hafen-Infrastruktur.

Siehe auch: HFO · Scrubber

Lotse Pilot

Hafen- oder Revier-Spezialist, der außerhalb der Einfahrt an Bord kommt und das Schiff durch enge Fahrwasser, Schleusen oder zur Pier führt. In vielen Cruise-Häfen verpflichtend — der Kapitän behält die Verantwortung, der Lotse berät.

Siehe auch: Schlepper

M

MMSI Maritime Mobile Service Identity

Neunstellige Funkkennung, die das Schiff über AIS sendet. Im Gegensatz zur IMO-Nummer an die Flagge geknüpft — bei Flaggenwechsel ändert sich die MMSI. Die ersten drei Ziffern (MID) kodieren das Flaggenland.

Siehe auch: AIS · IMO-Nummer · Rufzeichen

N

NT Net Tonnage

Nettoraumzahl — wie BRZ, aber nur der „kommerziell nutzbare" Raum (ohne Maschinenraum, Crew-Unterkünfte, Tanks). Dient als Bemessungsgrundlage für manche Hafengebühren.

Siehe auch: BRZ · DWT

R

Reede Roadstead

Ankerplatz vor einem Hafen, wenn das Schiff nicht an die Pier kommt — entweder weil es zu groß ist, der Hafen voll ist, oder gar keine geeignete Pier hat. Passagiere fahren dann per → Tender an Land.

Siehe auch: Tendering · Liegeplatz

Reederei

Das kommerziell auftretende Markenunternehmen, unter dessen Namen das Schiff vermarktet wird (AIDA Cruises, Royal Caribbean, MSC Cruises). Im Bug & Heck Atlas die zentrale Ordnungs-Einheit — jedes Schiff gehört zu genau einer Reederei. Der → Eigner kann ein anderer sein.

Siehe auch: Eigner · ISM-Manager

Refit

Umfassender Werftaufenthalt zur Modernisierung. Bei Cruise-Schiffen typisch alle 5-10 Jahre: neue Kabinen, neue Restaurants und Lounges, oft auch technische Upgrades wie Scrubber-Nachrüstung. Dauer: zwei bis sechs Wochen, häufig kombiniert mit der pflichtigen Klassifikation im → Trockendock.

Siehe auch: Trockendock · Klassifikationsgesellschaft

Repositioning Cruise

Überführungsfahrt eines Schiffs zwischen zwei Saison-Gebieten — typisch im Frühjahr Karibik → Mittelmeer, im Herbst zurück. Oft mit Sonderpreisen, weil es viele Seetage und wenige Häfen gibt. Auch beliebt bei Kreuzfahrt-Enthusiasten, die genau das schätzen.

Rufzeichen Call Sign

Eindeutige alphanumerische Funkkennung — wie ein Funk-Nummernschild. Wird bei der Sprechfunk-Kommunikation verwendet ("Hamburg, Hamburg, this is Mein Schiff 7, Mein Schiff 7…"). Format länderabhängig.

Siehe auch: MMSI

S

Schiffsklasse

Begriff aus zwei Welten: (1) Im Reederei-Sprech eine Baureihe gleichartiger Schwesterschiffe (z.B. „Meraviglia-Klasse" bei MSC, „Icon-Klasse" bei Royal Caribbean). (2) In der Schiffstechnik die Einstufung durch eine → Klassifikationsgesellschaft. Bug & Heck nutzt den Begriff im Reederei-Sinn.

Siehe auch: Klassifikationsgesellschaft

Schlepper Tug

Kleines, sehr leistungsstarkes Schiff, das größere Schiffe ins Hafenbecken schiebt oder zieht. Bei modernen Cruise-Schiffen mit starken → Bug- und Heckstrahlruder oft nur noch als Backup nötig; in engen Häfen wie Venedig oder Hamburg trotzdem Pflicht.

Siehe auch: Bug- und Heckstrahlruder · Lotse

Scrubber

Abgaswäscher, der Schwefel und Feinstaub aus dem Abgas filtert. Erlaubt den Weiterbetrieb mit → HFO trotz strenger Schwefel-Limits. Umstrittene Open-Loop-Variante leitet das Waschwasser direkt ins Meer; manche Häfen verbieten das inzwischen.

Siehe auch: HFO · LNG

Seemeile sm / nm

Internationale Längeneinheit zur See — 1.852 Meter, entspricht einer Bogenminute auf einem Meridian. Englisch: nautical mile (nm). Distanzen zwischen Häfen werden konventionell in sm angegeben.

SOG Speed Over Ground

Geschwindigkeit über Grund — wie schnell sich das Schiff relativ zum Meeresboden bewegt (nicht relativ zum Wasser). Wird vom GPS gemessen und über AIS gesendet. Einheit: Knoten (kn). Bei Cruise-Schiffen typisch 18–22 kn auf See, 0–3 kn beim Hafenmanöver.

Siehe auch: AIS · COG

SOLAS Safety of Life at Sea

Internationales Übereinkommen unter dem Dach der → IMO. Regelt sämtliche Sicherheits-Anforderungen an Schiffe: Rettungsmittel, Brandschutz, Stabilität, Funkausrüstung, Konstruktion. Gilt für nahezu alle Cruise-Schiffe — sie sind „SOLAS-pflichtig".

Siehe auch: IMO · AIS

Space-Ratio

BRZ pro Passagier — wie viel Volumen pro Person an Bord vorhanden ist. Mass-Market-Schiffe liegen bei ~30, Premium bei ~50, Luxus bei 70+. Höhere Space-Ratio bedeutet mehr Platz in Lounges, Gängen, Außendecks.

Siehe auch: BRZ · Doppelbelegung

T

Taufe Christening

Zeremonielle Namensgebung des Schiffs vor der Indienststellung. Eine prominente Taufpatin oder ein Taufpate schlägt traditionell eine Sektflasche am Bug. Geht beim ersten Wurf nicht zu Bruch, gilt das in der Branche als Unglückszeichen.

Tendering

Wenn das Schiff nicht direkt an die Pier kann (kleiner Hafen, zu großer Tiefgang, ausgelastete Liegeplätze), liegt es auf → Reede und befördert die Passagiere per Tenderboot an Land. Tenderboote sind oft eigene kleine Schiffe oder umgebaute Rettungsboote.

Siehe auch: Reede · Liegeplatz

Trockendock Dry Dock

Hafenbecken, das geflutet und entleert werden kann. Nötig für alle Arbeiten am Rumpf unterhalb der Wasserlinie (Propeller, Stabilisatoren, Anstrich). Cruise-Schiffe müssen alle fünf Jahre für die periodische Klassifikation ins Trockendock.

Siehe auch: Refit · Klassifikationsgesellschaft

Turnaround Day

Wechseltag im Heimat-Hafen: am selben Tag steigen alle Passagiere der ablaufenden Reise aus, das Schiff wird gereinigt und gebunkert, neue Passagiere steigen ein. Typisch samstags/sonntags in Häfen wie Civitavecchia, Barcelona, Miami oder Hamburg.

Siehe auch: Liegeplatz

U

UN/LOCODE UN Code for Trade and Transport Locations

Fünfstelliger Code für Häfen und Verkehrsknoten weltweit — die ersten zwei Zeichen sind das Land (ISO-3166), die drei weiteren der Standort. Beispiele: ITCVV (Civitavecchia), USMIA (Miami), DEHAM (Hamburg). Bug & Heck speichert den Code pro Hafen, sofern vorhanden.