Es gibt eine Zahl, die den Zustand der Kreuzfahrtbranche besser zusammenfasst als jede Buchungsstatistik: das Orderbuch. Und das ist 2026 so voll wie selten. Über 77 Schiffe stehen bei den Werften in Auftrag, zusammen mehr als 200.000 Betten — verteilt über die nächste Dekade, mit einem Gesamtwert von rund 77 Milliarden Dollar. Im Schnitt kostet ein Neubau damit etwa eine Milliarde Dollar.
Allein 2026 kommen rund 13 neue Schiffe über zwölf Marken in Fahrt. Das ist kein Strohfeuer, sondern eine langfristige Wette.
Wer am meisten bestellt
An der Spitze des Orderbuchs steht MSC Cruises. Die Reederei hat ihren Auftragsbestand Anfang 2026 um vier Schiffe aufgestockt und führt nun 14 Neubauten in den Büchern — getragen von der World-Klasse und den Schwestermarken. Auch Norwegian Cruise Line Holdings zählt zu den größten Bestellern. Royal Caribbean kommt nach Hinzunahme der neuen Discovery-Klasse auf zehn Schiffe in Order.
Die Konzentration ist kein Zufall: Es sind die großen, börsennotierten Konzerne, die solche Investitionen über Jahrzehnte stemmen können. Kleinere und mittlere Anbieter bestellen einzeln und selektiv — die Masse der Betten entsteht bei wenigen Häusern.
Was als Nächstes vom Stapel läuft
Von den 77 Schiffen weltweit ist ein Teil bereits konkret terminiert. Die folgenden Neubauten sind im Atlas erfasst — sortiert nach erwartetem Liefertermin. Die Liste folgt direkt dem Datenbestand und wächst mit ihm:
Auffällig ist die Bandbreite: vom 250.000-GT-Riesen der Icon-Klasse bis zur kleinen Expeditions- oder Luxuseinheit. Genauso auffällig ist die Werft-Konzentration — Fincantieri, Chantiers de l’Atlantique und die Meyer-Gruppe tauchen in der Spalte „Werft” immer wieder auf.
Warum ein volles Orderbuch beides ist
Ein gefülltes Orderbuch wird gern als Stärke verkauft, und das ist es auch: Es signalisiert, dass die Reedereien an ein Jahrzehnt wachsender Nachfrage glauben, dass Banken die Projekte finanzieren und dass die Auslastung stimmt. Nach Pandemie und Schuldenphase ist das ein bemerkenswertes Comeback.
Es ist aber auch ein Risiko. Jede der über 200.000 neuen Kojen muss gefüllt werden — Jahr für Jahr, auch in der Nebensaison. Kapazität, die schneller wächst als die Nachfrage, drückt am Ende auf die Preise. Und Neubauten sind langfristig gebundenes Kapital: Wer heute bestellt, liefert teils erst 2031 oder später aus und legt sich auf Schiffsgrößen, Treibstoffe und Fahrtgebiete fest, deren Rahmenbedingungen sich bis dahin verschieben.
Das regulatorische Kleingedruckte
Genau hier kommt die Regulierung ins Spiel. Ein Schiff, das heute bestellt wird, fährt in eine Welt aus FuelEU Maritime, EU-Emissionshandel und Landstrompflicht hinein. Wer jetzt Milliarden investiert, muss diese Kostenkurven mit einpreisen — und antwortet darauf mit LNG, Methanol und Energieeffizienz.
Das volle Orderbuch ist also nicht nur eine Mengenangabe. Es ist eine Sammlung von Wetten darauf, wie die Kreuzfahrt 2031 aussehen wird: größer, sauberer, teurer — und stärker auf wenige Konzerne und Werften konzentriert.
Im Atlas
Welche Werften wie viel bauen, zeigt die Werften-Übersicht. Die größten Schiffe der aktuellen Flotte sind im Schiffe-Verzeichnis nach Bruttoraumzahl vergleichbar.